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Revolution und so
Performance zum ersten Mai in Berlin
(Berlin 2011)

Anfang 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Mai auf – in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag forderte. Der 1. Mai war traditionell auch der moving day, an dem öfter Wechsel im Beruf oder Wohnort durchgeführt wurden.[3] Es kam darauf zu Massenstreiks und Demonstrationen in den Industrieregionen. (Quelle Wikipedia)</p>

Foto von Roland Krauss
Foto von Roland Krauss

Dieser Schnitt von 1886 war die meistverbreitete Illustration der Haymarket-Affäre. Er zeigt fälschlicherweise gleichzeitig Samuel Fieldens Ansprache, die anschließende Bombenexplosion und die danach stattfindende Schießerei.(Quelle: Wikipedia)

Im Jahr 2011 sah die Sache in Berlin dann ganz anders aus.

Bereits seit mehreren Jahren wird der 1. Mai dort genutzt um gegen alles zu demonstrieren, was einem so einfällt und geriet durch diese Beliebigkeit vor allem von Anhängern einer produktiven Protestkultur in Verrufenheit. Partys, Straßenfeste und Musik mischen sich mit unklaren politischen Positionen und gelangweilten Studenten. Höhepunkt für einige Hartgesottene ist es, wenn es letztlich doch noch irgendwo zu einer Konfrontation mit der Polizei kommt, um sich ein klein wenig zurückzuerinnern an Zeiten, an denen derart große Menschenmassen in den Straßen automatisch auch ein politisches Statement waren.

Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer

Ein weiteres wichtiges Ereignis an diesem Tag ist mein Geburtstag. Ich wollte diese unterrichtete Energie, die dort jedes Jahr in den Berliner Straßen entsteht, nutzen um meinen Geburtstag einmal in einem etwas größeren Rahmen zu zelebrieren.

Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer

Ich dachte, wenn die Leute ohnehin nicht ganz sicher sind gegen was sie eigentlich demonstrieren oder warum sie eigentlich mitlaufen, liefere ich ihnen einfach einen handfesten Grund: meinen Geburtstag. Einige meiner Freunde begleiteten mich. Sie animierten die Menge hinter mir und stimmten Gesänge an. Währenddessen versuchte ich mehrmals mit meinem “Ich habe heute Geburtstag” - Schild vor die großen Blöcke (schwarzer Block, roter Block, etc…) zu gelangen, um auf möglichst vielen Pressefotos abgebildet zu werden.

Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer
Erster Mai in Berlin mit Vincent Bauer

Mein Idee ging besser auf als erwartet: Hunderte, wenn nicht tausende Leute grölten mir mein Geburtstagslied ins Genick. So gelang ich auf zahlreiche Pressefotos und schließlich interviewte mich sogar die Berliner Tageszeitung.. Anschließend gab es noch Kuchen für mich im Park.

Es war ein ganz netter Geburtstag.

Revolution und soPerformance zum Ersten Mai in Berlin

Performance zum Ersten Mai in Berlin, 2011
Fotos von Anne Altstadt